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Mittwoch, 08. März 2006
Das Lachen
Von narrenkoenig21, 21:24

" Beurteile einen Menschen nie nach seiner Fröhlichkeit, denn wie oft habe ich gelacht um nicht weinen zu müssen... "

( Verfasser unbekannt )



Mir ist heute irgendwo im Internet dieser Spruch über den Weg gelaufen - und ist hängen geblieben. "Wie wahr er doch ist!" habe ich mir gedacht. "Ja, das ist mir schon so häufig ähnlich ergangen!"
Wie oft kommt es vor, dass man am liebsten einfach losheulen möchte, einfach um alles rauszulassen und wie oft möchte man einfach alle emotionalen Dämme in die Luft jagen und einfach zusammenbrechen, einfach seine Gefühle voll ausleben! Doch warum tun wir das nicht? Ich meine, alle Gefühle offen zu zeigen und nicht ein falsches, gekünsteltes Lachen vorzuschieben? Ich kann es nicht sagen.
Warum tu ich es nicht? Warum habe ich vor wenigen Tagen erst meinen Tränen nicht einfach ihren freien Lauf gelassen? Mitten im Schulfoyer, umringt von lauter Freunden, Bekannten, Lehrern.
Ich hatte Angst. Ich wollte mir keine Blöße geben, ich wollte nicht verletzlich erscheinen, nicht Anlass für schiefe Blicke sein, mir nicht unnötige, bohrende Fragen aufhalsen! Es ging die anderen ganz einfach nichts an!
Was habe ich stattdessen getan?
Genau! Einmal tief schlucken und sämtliche Emotionen, Tränen, Hilfeschreie als einheitlichen Kloß runterwürgen! Okay, dieser Kloß lag mir dann schwer im Magen und hat im Endeffekt dieselben nervenden Fragen nach sich gezogen... Aber was soll's...


Mit der Zeit kam bei mir die Frage auf:
Wenn das jeder so macht, ein Lächeln vorschieben, jedes mal wenn ihn etwas wirklich tief bewegt, wie könnte ich dann auch nur ein Lächeln meines Gegenüber genießen, ohne es umgehend in Frage zu stellen?

Ich sitze vor einem guten Freund und er lacht mich an. Wie kann mich mit ihm freuen, wenn in meinem Hinterkopf sich bereits die Frage formuliert: "Ist dieses Lachen tatsächlich echt? Kann ich ihm glauben? Vielleicht geht es ihm auch ganz schlecht und ich, ich schlechter Freund, erkenne es nicht!!"

Mir sind folgende Zeilen aus einem sehr schönen und zugleich sehr traurigen Lied eingefallen:



" Er lächelt immerfort
und aufhören kann er nicht,
mit rot-weißer Farb´
untrennbar im Gesicht.

Die grüne Pluderhose,
rote Haare, bunter Hut,
gehör´n zu der Fassade,
zu der Mauer die er zieht.
Stein um Stein um sich herum
kein Blick sie je durchdringt.
Wer will schon wissen ob ein Clown
auch nach der Show noch singt?

Der Blick in den Spiegel,
nichts von dem was wir doch sahen.
Eine einsame Träne
zieht durch die Schminke ihre Bahn.
Verwischt das ewige Lächeln,
offenbart die Wirklichkeit,
doch ist niemand zugegen
der ihm hilft, sie mit ihm teilt. "


( "Der Clown" - Schandmaul )



Der Clown dient uns als Symbol für eine Maskerade, ein immerwährendes Lächeln, das wir den versammelten Menschen präsentieren. Mit diesem Fassaden-Lächeln geben wir den Leuten genau das, was sie auch sehen wollen! Wer will schon einen zu Tode tief betrübten Clown sehen, dem stumme Tränen über das Gesicht laufen? Warum will das niemand sehen? Weil jeder diesen Clown bereits kennt und ihn nicht weiter sehen will, denn er steckt in uns allen!

Dieser Clown, der Mensch, der eine Mauer um sich herum aufbaut und uns lediglich ein künstliches Lächeln präsentiert - wer kennt ihn nicht? Wer hat nicht schon mal gespielt, den Clown? Wer hat nicht schon mal diese Mauer aus Worten um sich herum aufgebaut, nur um sich selbst zu schützen?

Doch wie kann man - können wir - diese Mauer bei uns und auch bei allen anderen durchbrechen?

Die Antwort auf letzteres ist recht schnell gegeben und sehr allgemein gefasst:
Ehrlichkeit.
Kaum zu glauben, was man mit aufrichtiger Sorge alles erreichen kann! Kaum zu glauben, wie glücklich man die Menschen machen kann, wenn man sich ernsthaft nach deren Wohlbefinden erkundigt! Kaum zu glauben, wie ein ehrlich gemeintes Lächeln die Welt unseres Gegenüber erhellen kann!
Probiert es selber aus! Gleich morgen! Oder noch besser: Sucht euch den nächstbesten Menschen, setzt euch neben ihn und lächelt ihn an! Das Ergebnis ist verblüffend, glaubt mir...

Doch wie steht es mit uns selbst? Wir können nicht darauf warten, dass andere Menschen kommen werden und diese Mauer komplett abtragen werden! Dies wird nämlich nie geschehen! Wenn wir selber diese Mauer nicht aus voller Überzeugung loswerden wollen, dann kann sie auch keine Macht der Erde aus unseren Köpfen entfernen!
Ich weiß, es ist schwer sich zu öffnen und man geht immer ein egwisses Risiko ein, aber es lohnt sich und kaum ein Mensch wird es nicht ernst nehmen, wenn man sich offen und ehrlich mit einem Problem an ihn wendet. Er wird instinktiv spüren, dass jemand dabei ist diese Mauer abzutragen. Und er wird euch zur Hand gehen, von sich aus deine Mauer durchbrechen und schon bald könnt ihr euch über den Resten dieser Mauer die Hände reichen!!

Ich hoffe ich konnte ein wenig dazu beitragen, dass auch ihr Mauer in euren Köpfen erkennt und morgen schon beginnt sie Stück für Stück abzutragen...



Ich verneige mich vor euch.

Der Narrenkönig





Stimmung zu Beginn:
nachdenklich und auch ein wenig angesäuert


Stimmung gegen Ende:
ausgelaugt und ohne größere Emotionen


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